Netzwerk bibeltreuer Christen 

Jakob Tscharntke e.V.

Der Beginn

Einige Gedanken zum Start von Hausgottesdiensten und Hausgemeinden

Schmerzliche Erfahrungen mit Gemeinden aller Art kann ich leider nur allzu gut verstehen. Bis vor etwa 10 Jahren habe ich mit meiner Frau im Urlaub regelmäßig Gottesdienste anderer Gemeinden besucht. Das haben wir uns die letzten 10 Jahre zunehmend abgewöhnt. Wir gingen fast nur noch innerlich aufgewühlt, traurig und nicht selten empört aus diesen Gottesdiensten, auch aus "evangelikalen" und "frommen". Predigten waren zumeist erschreckend flach und inhaltsarm oder waren zum Teil eher ein Mitarbeitermotivationstraining denn biblische Verkündigung.

Auch wenn wir bei verschiedenen Gelegenheiten in den letzten Jahren andere Christen treffen, dann verhalten wir uns zunehmend zurückhaltend und freuen uns kaum noch auf solche Begegnungen. Denn bei offenem Austausch entstehen sehr schnell Streitgespräche, weil auch unter "Frommen" die Liebe zum Wort Gottes nicht mehr weit verbreitet ist. Die meisten biegen es sich so zurecht, wie es ihnen gerade in den Kram paßt.

Diese Entwicklungen gilt es unbedingt bei der Gründung eines Hausgottesdienstes und erst recht auf dem weiteren Weg vom Hausgottesdienst zur Hausgemeinde zu bedenken. Ich rate deshalb auch zu ganz kleinen und vorsichtigen Anfängen. Der Kreis der Familie dürfte in vielen Fällen der ideale Ausgangspunkt sein. Zum Hausgottesdienst, bei dem das gemeinsame Hören auf Gottes Wort und das Lob Gottes im Mittelpunkt steht, wird man bei aller Vorsicht eine etwas buntere Truppe einladen können. Wobei es auch hier mit echten Außenstehenden sehr viel empfehlenswerter sein dürfte als mit Christen, die in ihren Traditionen und Überzeugungen festgefahren sind und sehr genau "wissen", wie alles richtig zu laufen hat. Ich denke an den Besuch eines Ehepaars in unserer Riedlinger Gemeinde vor einigen Jahren. Die Frau fing mich nach dem Gottesdienst sofort an ausgiebig und wortreich zu belehren, wie eine missionarische Gemeindeaufbauarbeit anzupacken ist und gelingen wird.  Mir war nach dem Gespräch glasklar: solche Menschen wollen wir nicht in unserer Gemeinde. Die sind allerhöchsten dann zufrieden, wenn alles zu 100% nach ihren Vorstellungen läuft. Bei der kleinsten Abweichung von ihren Vorstellungen werden solche Menschen Stunk in der Gemeinde verbreiten.

Dabei muß man auch bedenken, daß gemeindlich heimatlos gewordene Menschen nicht immer und ausschließlich um der Treue zu Christus willen heimatlos geworden sind, sondern nicht selten aufgrund persönlicher Eigenheiten, die es ihnen schwer macht, sich in eine Gemeinschaft unproblematisch einzugliedern. Ich kenne solche Menschen, die seit Jahrzehnten von einer Gemeinde zur anderen tingeln aber sich nirgends einfügen können. Solche „Schmetterlingschristen“ werden sich wie die Geier aufs Aas auf jede neu gewachsene Blüte in Gottes Gemeindegarten stürzen.

Beim Schritt zur Hausgemeinde ist mit großer Sorgfalt darauf zu achten, daß hier eine geistliche Übereinstimmung in allen wesentlichen Punkten zwischen denen besteht, die Glieder einer solchen Hausgemeinde werden. Und es ist darauf zu achten, daß es Geschwister sind, die wegen tatsächlichen Erkenntnisfragen nicht ständig die theologischen Messer wetzen. Siehe dazu die Orientierung Nr.11 "Umgang mit verschiedenen Erkenntnissen in Liebe und Wahrhaftigkeit".

Es sind ja nicht nur die Fragen nach dem Zeitpunkt der Entrückung, der flachen Erde, oder zu Formen von Taufe und Abendmahl. Da kommen das rechte Verständnis der Dreieinigkeit, der Erwählung etc. hinzu. Über all diese Fragen kann man sich trefflich streiten. Oder man kann in geistlicher Einmütigkeit und Gelassenheit eine gewisse Bandbreite an Erkenntnissen ertragen und bei Bedarf auch entspannt über dem Wort Gottes sich austauschen. Streithähne, Rechthaber, Machtmenschen und erst recht Intriganten werden auf die Dauer jeder Gemeinde schwersten Schaden zufügen oder sie ganz verwüsten. Und es gibt davon auch in frommen Kreisen mehr, als wir uns wohl alle träumen lassen.

Meine liebe Frau und ich haben in den nun 30 Jahren des Dienstes im Reich Gottes mehr als genug traurige und dramatische Erfahrungen dieser Art gemacht. Dennoch rate und bitte ich: Laßt Euch durch diese Erfahrungen nicht entmutigen. Sie lassen unsere Vorsicht und Weisheit wachsen. Sie zeigen uns auch, auf zum Teil sehr brutale Weise!, unser totales Angewiesensein auf Jesus, daß er die Dinge richtig führt und uns vor den falschen Menschen bewahrt. Auch das war eine Konsequenz unserer Erfahrungen: Am Anfang meines Dienstes habe ich recht kräftig für Wachstum der Gemeinde gebetet und mich eigentlich über jeden gefreut, der dazugekommen ist. Heute bete ich: Herr, schicke diese Menschen in unsere Gemeinde, die Du dabei haben willst. Die in Liebe, Wahrhaftigkeit und Demut sowie in Treue zu Dir und Deinem Wort mit uns zusammenleben und -arbeiten wollen und sich zum Segen in die Gemeinde einfügen. Vor allen anderen bewahre uns!

Das macht mich in meiner Arbeit auch viel entspannter. Wenn früher Menschen ein paar mal zum Gottesdienst kamen und dann nicht mehr, dann war ich enttäuscht. Heute bin ich darüber weitestgehend entspannt und bete: Herr, wenn Du sie bei uns haben willst, dann ist Dir kein Ding unmöglich. Und wenn sie nicht zu uns passen, dann ist es besser, sie bleiben weg. Dann schmerzt immer noch jede Trennung. Aber ich sehe sie als Segen und nicht mehr als Verlust.