Netzwerk bibeltreuer Christen 

Jakob Tscharntke e.V.

Hausgemeinden - Ein Erfahrungsbericht

Eigentlich ist unsere kleine Hausgemeinde aus der Not heraus geboren worden. In einer stark katholisch geprägten Gegend, mit wenigen evangelischen Gemeinden, fühlten wir uns geistlich heimatlos: Die eine Gemeinde im Schwarzwald, jung und dynamisch aber charismatisch geprägt, war uns zu oberflächlich und mit wenig Tiefgang. Die andere evangelikale Gemeinde, bei welcher wir als Familie manche Jahre „ein und ausgegangen waren“, hatte für sich „beschlossen“, zu sterben. Eine weitere Gemeinde in Bad Säckingen – zusätzlich mitten in einem Spaltungsprozess -  war uns definitiv „zu charismatisch“. So stand für uns also die Frage im Raum, was nun geschehen muss, um als Familie aber auch als Einzelner geistlich, in dieser Welt zu bestehen.

Dass wir zusätzlich in einer Gesellschaft mit offensichtlichen Zerfallserscheinungen leben, die an den Gemeinden – Gott sei es geklagt – leider auch nicht spurlos vorbeigehen, machte die Suche nach einer geistlichen Heimat für uns nicht einfacher.

Die „zufällige“ Begegnung mit Geschwistern, die ähnliche Sehnsüchte hatten, oder die auf der Suche nach biblischen, geistlichen Antworten auf gesellschaftlich aktuelle Fragen waren, führte zu dem Entscheid, sich regelmäßig als Hausgemeinde zu treffen.

So trafen sich also in den ersten Begegnungen Menschen, die eine Sehnsucht nach biblischer Orientierung und gleichgesinntem Austausch hatten.

Deckungsgleiche Bewegründe sind der Kitt innerhalb einer Gruppe, und die Konzentration auf einen vorerst kleinen Kreis Gleichgesinnter ist in einer ersten Phase die Basis für ein weiteres Wachstum.

Tödlich ist es für eine „Hausgemeinde-Keimzelle“, wenn versucht wird, in Bezug auf Form, Ablauf, Inhalten einer Hausgemeinde es möglichst „vielen“ Recht machen zu wollen. Das führt beinahe automatisch zur Verzettelung und in einen Zerriss. Profillosigkeit und damit eine kleine Strahl- und Anziehungskraft ist die Folge.

In der ersten „Euphorie“ hatten wir große Sympathie für einen sogenannten „urchristlichen Gemeindeansatz“. Dieser besagt, dass „Christus das Haupt und die Geschwister der Leib sei, welche sich mittels Eindrücken und gemeinsamen Beiträgen auf das Haupt ausrichten“.

Dieses Modell kennt daher die klassische Rolle eines „Pastors“ nicht.

Schnell haben wir bemerkt, dass die „organisatorische Abwesenheit“ eines Leiters (d.h. es wurde im Vorfeld kein Leiter als solcher bestimmt) nicht für jeden so einfach zu leben ist. Denn dies benötigt von Allen eine eigentliche neue Denk- und vor allem Verhaltensweise:

Die eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen sind zu Gunsten des gemeinschaftlichen Bedürfnisses zurückzustellen (Prinzip des Organismus) in dem sich alle dem Haupt (das ist Christus) und dem Gesamten (das ist die Gemeinde) unterordnen.

In der Sache wäre alles richtig, nur der Weg dorthin ist steinig, insbesondere  es immer wieder Geschwister gibt (meist Schwestern) die bei der „scheinbaren Abwesenheit eines Leiters“ gerne zur Wortdominanz neigen und dadurch zu Lasten der Gesamtheit die Initiative an sich reißen. Gerade Letzteres in richtige biblische Bahnen zu bringen, macht eine gewisse Leitung dann eben doch notwendig.

In Verantwortung für die kleine Gruppe kehrten wir daher wieder zu klaren Ordnungs- und Leitungsstrukturen zurück, um eine Unordnung bzw. Unruhe zu vermeiden.

Eine gesunde Ausgewogenheit zwischen klaren Strukturen, Abläufen und Ordnungen, - wozu z.B. das Festlegen eines Zeitrahmens und des Ortes des Treffens (in den Häusern oder in einem Lokal), das Klären nach einem gemeinsamen Essen, ob und welches Liedgut verwendet werden soll, das Definieren eines Ablaufs (z.B. „Hauskreisstil“ d.h. jeder trägt etwas zum Thema, zur Bibelstelle bei, „Predigtstil“ d.h. einer hat sich vorbereitet und trägt vor und tauscht anschließend aus, „gemeinsames Anhören/Ansehen einer Predigt“ usw. - gehören und eine bestimmte Freiheit in den geistlichen Bedürfnissen zu finden, darin liegt wohl die Kunst des „Leitens“ einer Hauskirche.  

Mit Feingefühl herauszuhören, wann geistliche Fragen oder Alltagsherausforderungen ein Gespräch und oder eine Weisung benötigen, oder wann eine reine Wortbetrachtung im Vordergrund steht, darin besteht der Balanceakt zwischen „Improvisation“ und „Drehbuch“ in einer Hausgemeinde.

„Improvisation mit Plan“ oder „Drehbuch mit künstlerischer Freiheit“ wäre wohl die ideale Mischung in der Gestaltung der gemeinsamen Zusammenkünfte. Für beide Varianten bedarf es der Führung und der Weisheit Gottes, weil ER alleine Verstand und Herzen kennt und an IHM liegt es, der kleinen Gemeinde auch zuerst inneres (geistliches) und dann äußeres (zahlenmäßiges) Wachstum zu schenken. Das möge der Herr uns allen geben.

Familie Kunde, Laufenburg